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konkretluftZum Literaten Georg Kreisler

Ein Herr mit radikalen Ansichten
Starrsinn: In Gedichten und Prosa zieht Georg Kreisler Bilanz
Was Georg Kreisler alles war: ein Exilant aus Europa, der in den Vereinigten Staaten seine Existenz schon mit achtzehn Jahren als Entertainer und Komponist bestritt; ein Kabarettist in Wien, dessen böseste Lieder schon in den fünfziger Jahren von Funk und Fernsehen nicht gespielt werden durften; ein Liedermacher in Berlin, dem schon allein dieses Wort Schaudern verursachte; ein Theatermann im ganzen deutschen Sprachraum, der sich vom heutigen Theater mit dem trotzigen Satz abgemeldet hat: „Meine Kindheit: die Zeiten waren schlecht, aber das Theater war gut!“ Ein Dichter war er zweifellos auch, aber einer, der im Schatten des Interpreten stand, der seine eigenen Schöpfungen am besten darzubringen wußte. Ein Wiener blieb er wohl mehr aus enttäuschter Liebe denn aus patriotischem Hochgefühl, ein Linker wohl eher aus Ekel vor bürgerlichen Zwängen denn aus utopischer Gewißheit, und ein Jude nur „...weil ich schon als Kind Jude war und weil es Antisemitismus gibt.“

Was Georg Kreisler sonst noch alles war, ohne es für ein lebensabendfüllendes Programm zu halten, ließe sich lange fortsetzen. Aber was ist er heute? Zieht man sein neues Buch „Mein Heldentod“ zu Rate, muß man antworten: ein alter Mann mit radikalen Ansichten - und ein Schriftsteller mit unbekannten Facetten.

Die rund vierzig Texte des Lesebuches zeigen einen Lyriker, der sich gegen den Vortragskünstler zu behaupten weiß und als ein Verfasser von kauzig-surrealer Kurzprosa, die wunderlichste Blüten treibt. Bei den Gedichten ist man anfangs versucht, die Stimme des Autos und sein virtuoses Klavierspiel mit zu hören, aber wenn man sie aufnahmebereit so liest, wie sie geschrieben stehen, vernimmt man rauhe und zarte Töne, die keinesfalls der Vertonung bedürfen. Die Kurzprosa ist wiederum ist eine angewandte Übung in schwarzem Humor, den Kreisler auf so unterschiedliche Genres wie Feuilleton, Glosse und Kurzkrimi gleichermaßen anwendet.

gk_sil_re2„Die geworfene Generation“ ist so ein Vier-Seiten-Krimi betitelt, in dem der Taschendieb Hugo sich in das Bild eines Mädchens verliebt, das er einer gestohlenen Geldbörse entnimmt. Die aberwitzigen Verwicklungen, zu denen der schicksalhafte Fall führt, würden manchem Autor für ein ganzes Buch reichen. Doch Kreisler, der auch sonst ziemlich verschwenderisch mit seinen Einfällen umgeht, verstreut sie und ist, noch ehe er einen bis zum Ende durchgespielt hätte, schon wieder zum nächsten weitergeeilt. Der erste und der letzte Text des Bands sind in anderer Tonlage verfaßt. Die Leichtigkeit, mit der Kreisler zu erzählen pflegt, ist auch eine Methode, seine Verletzlichkeit zu verbergen: in „Meine Autobiographie“ und „Unter uns“ hält er mit den Kränkungen, unter denen er leidet, bis heute nicht zurück.

Aus mehr als fünfzig Jahren Erfahrungen in verschiedenen künstlerischen Berufen zieht er das Resümee: „Wenn man einen Liedermacher braucht, nimmt man jemand anderen, wenn man einen Kabarettisten braucht, nimmt man jemand anderen, wenn man einen Theatermenschen oder Komponisten braucht, nimmt man erst recht jemand anderen, sogar wenn man einen Juden braucht, nimmt man jemand anderen, meistens einen Halbjuden, der wäre vielleicht versöhnlicher als ich.“ Unversöhnt hingegen beharrt Kreisler auf dem, was er aus der Geschichte gelernt zu haben meint. Dazu gehört Skepsis gegenüber dem Kontinent, dem er einmal nur mit knapper Not entronnen ist, um sein Leben zu retten.
Frankfurter Allgemeine Zeitung




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